|
In unserer kamerunischen Kirche und überhaupt im Missionsbereich gibt es noch viele
Menschen, die Christus nicht kennen. Wenn Gott jedoch zu seiner Zeit das Licht des Glaubens
und die Gnade der Erkenntnis verleiht, findet der gottsuchende Mensch zur Pfarrgemeinschaft
und zur Kirche. Er beginnt, sich auf die heilige Taufe vorzubereiten. Wir wissen welch
große Gnade dieses grundlegende (Initionssakrament) erste Sakrament für das
christliche Leben bedeutet. Im Hinblick auf die junge Ortskirche braucht es aber eine solide
Vorbereitung auf dieses wichtige Ereignis im Leben des neuen Christen. Es braucht Zeit, um
Christus kennen und lieben zu lernen und in die kirchliche Gemeinschaft zu gelangen. Diese
Zeit wird Katechumenat genannt. Es dauert 3 Jahre und umfasst Schulkinder, Jugendliche und
Erwachsene. Während der ganzen Zeit nehmen alle Gruppen an der Katechese teil. Für
jedes Jahr wird in der Diözese ein besonderes Programm erarbeitet, das alle verpflichtet.
Jene, die die Katechese beginnen und ins Katechumenat eintreten wollen, nehmen am
Vorbereitungsunterricht teil: Sie lernen Gebete, lernen das Wort Gottes kennen und engagieren
sich in der Pfarrgemeinde. Die Gruppenarbeit ist wichtig. Es gibt viele Gruppen, und jeder
Katechumene ist verpflichtet, sich die entsprechende Gebets- oder karitative Gruppe
auszusuchen. Die Aufnahme ins Katechumenat ist feierlich, und die Zeremonie beinhaltet viele
Riten. Als sichtbares Zeichen erhält der Katechumene ein Medaille der unbefleckten
Gottesmutter.
Kindertaufe
Die Taufe von Säuglingen und Kindern bis zu 3 Jahren wird meist dann praktiziert, wenn
die Eltern Katholiken sind und wünschen, das ihr Kind durch Gottes Gnade in den Glauben
hineinwächst.
Die Eltern geben dem Kind den Namen. In der afrikanischen Kultur ist das von besonderen
Zeremonien begleitet. Anschließend lassen sie das Kind in die Pfarrbücher
einschreiben, legen die Geburtsurkunde vor und bitten um die Taufe. Danach findet eine
Katechese für Eltern und Taufpaten statt. Es gibt hier nur einen Taufpaten, - für
die Mädchen eine Patin und für die Jungen einen Paten. Vor der Taufe ist nochmals
eine Katechese für Eltern und Taufpaten. Die Taufe wird während der hl.Messe
gespendet. Die Eltern bringen das weißgekleidete Kind zur Kirche, und der Täufling
erhält die Taufkerze und den Taufschein.
Nach der Heimkehr findet ein kleines Festessen zu Ehren des neugetauften Kindes statt.
Taufe von Jugendlichen und Erwachsenen
Nach Eintritt in das Katechumenat besuchen die Jugendlichen und Erwachsenen 3 Jahre lang die
Katechese, um Jesus Christus, die Kirche, die heilige Schrift und die Sakramente kennen zu
lernen. Gleichzeitig wird in diesem Vorbereitungsabschnitt auf Umkehrgesinnung, Gottes- und
Menschenliebe, Sorge um das Gemeinwohl und Verantwortungsgefühl für die Ausbreitung
des Gottesreiches Wert gelegt. Im letzten Abschnitt vor der Taufe halten die Katechumenen
einwöchige Exerzitien. Sie empfangen dann am Ostersamstag oder Ostersonntag die heilige
Taufe. Diese Feier ist sehr schön. Ich selbst habe die Freude, das letzte
Vorbereitungsjahr auf die Taufe zu führen. So bemühe ich mich, um geistliche
Begleitung der Taufanwärter(innen). Es liegt mir vor allem daran, dass sie Christusliebe
erwerben und im Glauben feststehen. Wenn sie nach der Taufe alle in Weiß gekleidet sind,
erblickt man auf ihren Gesichtern lichtvolle Freude. Es ist die Geburtsstunde eines neuen
Lebens, eines Lebens in der Gnade Gottes. Der ganze liturgische Rahmen dieser Feier ist
schön und von freudigen Gesängen begleitet. Er zeugt davon, was Gott im Herzen jedes
Neugetauften bewirkt.
Die Täuflinge erhalten auch eine Taufkerze, ein Kreuz und den Taufschein als Zeichen ihrer
Zugehörigkeit zu Christus und der Kirche. Durch die christliche Gemeinde werden sie
freudig begrüßt.
Feier in der Gemeinde
Wie ich bereits erwähnte, ist die Taufe nicht nur ein Ereignis für die Familie, sondern
für die ganze Pfarrgemeinde, und das besonders für die "Gemeinschaft der lebendigen
Kirche".
Nach der kirchlichen Feier, die manchmal 3 oder 4 Stunden dauert, werden die Neugetauften
feierlich durch die Gemeinschaft der Gläubigen nach Hause geleitet. Während des
ganzen Weges erklingt Gesang mit Instrumentenbegleitung, und es wird getanzt. Dabei ist es
gleich, ob der Täufling aus einer heidnischen Familie oder eine andersgläubigen
stammt. Alle finden beim gemeinsamen Festmahl Platz. Zu diesem werden auch die Priester, die
Ordensschwestern und die Katecheten der Gemeinde eingeladen. Es zieht außerdem eine
Prozession durch den Ort, und der Reihe nach werden die Häuser der Neugetauften besucht,
wobei man ihnen Gnade und Freude wünscht. Die Feier zieht sich über die ganze Woche
hin. Sie wird "Weiße Woche" genannt - im Hinblick auf die weiße Kleidung der
Täuflinge, die täglich an der Eucharistiefeier teilnehmen. Sie werden angeregt, sich
aktiv am Gemeindeleben zu beteiligen, Arbeiten zum Gemeinwohl zu übernehmen, sich in den
verschiedenen Gruppen der Pfarrei einzubringen und Zeugnis des alltäglichen Lebens zu
geben. Die Mehrheit der Neugetauften entspricht diesem Aufruf. Man trifft manchmal sogar auf
ein Glaubenszeugnis, das trotz der Ausgrenzung durch die eigene Familie oder die Umgebung
standhält. Vor kurzem ist ein junger Christ aus einer muslimischen Familie verstorben,
der an Leberzirrhose litt. Sogar im Angesicht des Todes verstieß ihn die Familie, denn
(nach ihrer Meinung) würde es sich nicht geziemen, dass ein solcher Mann
menschenwürdig stirbt. Bei der Beerdigung waren nur Christen zugegen. Niemand von der
Familie interessierte sich dafür, auch seine eigene Mutter nicht, die die Schwestern der
Pfarrei rufen ließen.
Weitere Hinweise zur Taufe in Afrika sind auch im Weihnachtspfarrbrief auf Seite 21 zu finden.
|
|