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Göttlicher Halt


Sag es mit den Händen: Pastor Detlef Stock setzt sie bewußt
bei seiner Arbeit ein.

LZ-Serie "Hände": In der Religion haben sie eine große symbolische Kraft
Bad Salzuflen-Schötmar. Sie streicheln, halten, greifen und helfen, ihn zu begreifen, fassbar zu machen - den Glauben an Gott. Denn Hände spielen in der Religion eine wesentliche Rolle. Die LZ sprach mit Detlef Stock, Pastor der St.-Kilian-Gemeinde, über ihre Symbolkraft in der katholischen Kirche und mit Yasar Turp und Refep Altuntas vom türkisch-islamischen Moschee-Verein über ihre Bedeutung im muslimischen Glauben.


"Die Hände sind Körperteile mit starker Ausdruckskraft. Es gibt offene oder geballte Hände, man redet mit ihnen oder reicht sie dem anderen zur Begrüßung", sagt Pastor Detlef Stock. "Sie sind ein Sprachrohr, man tritt mit ihnen in Kontakt zu Jemandem. Auch zu Gott."
Diese Kontaktaufnahme beginne bereits beim Sakrament der Taufe. "Ich trage dabei das Kind auf Händen, lege ihm die Hände auf und salbe es", so Stock. Das Handauflegen symbolisiert die Sendung des Heiligen Geistes, die Zuwendung Gottes.
"Durch die Salbung mit Krisam-Öl wird der Mensch zu einem Werkzeug Gottes. Die Salbung spielt auch bei der Priesterweihe eine wichtige Rolle." Bereits beim Betreten der Kirche greifen viele Gläubige mit der Hand unwillkürlich ins Weihwasserbecken, um dann damit das Kreuzzeichen zu machen. "Ein Bekennen zur Taufe. Das Kreuzzeichen selbst verbildlicht dabei die Verbindung zwischen Gott und Mensch, symbolisiert in der senkrechten Bewegung. Die waagerechte Geste steht für die Verbindung zur kirchlichen Gemeinschaft."
Wenn die Gläubigen beim Gottesdienst die Kommunion empfangen, legen sie meist die Hände übereinander, und der Priester legt die Hostie hinein. Warum eigentlich? "In Deutschland hat die Hand- die Mundkommunion abgelöst. Dieses Übereinanderlegen der Hände erinnert an eine Schale", so Stock. "Andere Deutungen besagen, dass die Hände damit die Form eines Kreuzes bilden oder Gott einen Thron bereiten."
Während der Oranden-Haltung, der Gebetshaltung, streckt der Priester die Hände förmlich nach Gott aus - eine große Geste. Aber auch die kleinen Gesten sind wichtig, zum Beispiel beim Beten des Rosenkranzes. "Jede Perle - es sind insgesamt fünf mal zehn Perlen - steht für ein bestimmtes Gebet. Jede einzelne nimmt der Gläubige in seine Hände. Das hat etwas Meditatives, ich konzentriere mich aufs Beten. Und es erinnert mich, an welcher Stelle ich gerade bin."
Die Muslime beten den Tesbih. Diese Gebetskette besteht aus 33 Gebetskugeln. Jede von ihnen steht für ein bestimmtes Gebet.
Imam Recep Altuntas, Vorsteher der Moschee in der Weinbergstraße: "Anschließend öffnet der Betende die Arme und Hände und erfleht so die Hilfe und den Beistand Gottes." Auch in anderen Bereichen des muslimischen Glaubens spielen die Hände eine wesentliche Rolle. Vor dem Gebet in der Moschee muss sich der Gläubige zunächst reinigen. Das Waschritual erfolgt dabei in einer bestimmten Reihenfolge. "Es beginnt mit dem Waschen der Hände.
Danach werden Mund und Nase jeweils dreimal ausgespült, das Gesicht gewaschen und anschließend dreimal die Hände gereinigt. Es folgt der Oberarm. Mit dem kleinen Finger säubert sich der Gläubige dann die Ohren, mit dem Daumen reinigt er sich hinter den Ohren", erläutert Yasar Turp, Vorsitzender des türkisch-islamischen Moschee-Vereins.
Beim Gebet, das idealerweise fünf Mal am Tag stattfindet, sind die Hände ebenfalls wichtig. Denn der Gläubige sitzt auf dem mit Teppichen bedeckten Boden mit dem Körper gen Mekka und verneigt sich, stützt sich dabei mit den Händen auf dem Boden ab. Bevor der Imam, der Priester, vor den anwesenden Gläubigen mit seinem Gebet beginnt, legt er die Daumen an die Ohren, die Hände sind dabei geöffnet. "Dies ist dann das Zeichen dafür, dass man bereit für Gott, für Allah, ist", erläutert Altuntas. Die Hände als stummes Kommunikationsmittel mit vielseitiger Ausdruckskraft. Stock: "Der Mensch lebt mit dem ganzen Körper, und das gilt auch im Glauben. "


Von Sabine Wygas
Quelle:
Lippische Landeszeitung